Equal Pay Day: Qualifizierte Teilzeitmodelle ausbauen

Im EU-Durchschnitt verdienen Frauen 16 Prozent weniger als Männer, in Österreich sind es 23 Prozent, d.h. Frauen müssen 62 Tage länger arbeiten, um auf das gleiche Gehalt zu kommen.


Zwei Drittel des Lohnunterschieds erklären sich laut einer OECD-Studie aus dem Jahr 2012 dadurch, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten und weniger in Führungspositionen. "Hier müssen wir mit besserer Aufklärung sowohl bei der Berufsberatung als auch in den Unternehmen ansetzten. Zum einen müssen wir junge Frauen dazu ermutigen, auch nicht-traditionell weibliche Berufe, die im den meisten Fällen schlechter bezahlt sind, zu ergreifen. Zum anderen müssen wir Unternehmen davon überzeugen, dass sich ein höherer Frauenanteil in der Führungsetage wirtschaftlich lohnt und sich positiv auf das Betriebsklima auswirkt", betont ÖAAB-Bundesobfrau Johanna Mikl-Leitner und weist darauf hin, dass es dadurch auch zu weniger Fluktuation und Fehlzeiten kommt. 


Um weiterhin international wettbewerbsfähig zu bleiben, sei es zudem notwendig, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch weiter verbessern. "Hier ist die richtige Kombination aus Zeit, Infrastruktur und Geld entscheidend. Deshalb investieren wir  bis zum Jahr 2018 insgesamt 1,58 Milliarden Euro in mehr Familienleistungen, d.h. quantitativer und qualitativer Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und schulischer Tagesbetreuung sowie mehr Geld für Familien durch die Erhöhung der Familienbeihilfe. Zudem haben wir als ÖAAB bei der Steuerreform durchgesetzt, dass Familien mit Kindern durch die Verdopplung des Kinderfreibetrages von 220 auf 440 Euro pro Kind und Jahr noch besser im Steuersystem berücksichtigt werden und ihnen ab Anfang nächsten Jahres mehr Geld bleibt."


"Bei der Infrastruktur und beim Geld sind wir bereits auf dem richtigen Weg, Nachbesserungen brauchen wir bei der Zeit. Als ÖAAB setzen wir uns für Wahlfreiheit bei der Lebensplanung ein. Teilzeit auf Zeit ist ein gute Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinbaren, und zwar für Frauen und für Männer", so die ÖAAB-Chefin weiter. Der Anteil an Teilzeitbeschäftigten habe in den vergangenen Jahren stetig zugenommen und auch die Nachfrage sei deutlich größer als das Angebot und rund 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten seien mit ihrer Arbeitssituation sehr zufrieden. "Zwar sind in absoluten Zahlen nach wie vor wesentlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer, dennoch wächst auch bei Männern der Wunsch, die Arbeitszeit zu reduzieren, um sich mehr um die Kinder kümmern zu können. Eine aktuelle Studie aus den USA kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass Männer, wenn sie entsprechende Vorbilder haben, häufiger in Karenz gehen, es komme zu einem sogenannten "sozialen Schneeballeffekt"."


Für jene knapp 14 Prozent der Teilzeitbeschäftigten, die gerne mehr arbeiten möchten, schlägt Mikl-Leitner vor, dass der Umstieg von Teilzeit auf Vollzeit erleichtert werden soll. "Wenn in einem Unternehmen ein Vollzeitstelle frei oder geschaffen wird, dann soll diese zuerst an die Teilzeitkräfte innerhalb des Unternehmens ausgeschrieben werden."


Die Bundesvorsitzende der ÖAAB-Frauen, BR Sonja Ledl-Rossmann, fügt hinzu: "Unternehmen können nur dann nachhaltig erfolgreich sein, wenn´ Frauen und Männer geleichermaßen Verantwortung tragen und sich aktiv einbringen. Das wird durch mehrere internationale Studien ganz klar belegt. So kommt beispielsweise die Studie von McKinsey zu dem Schluss, dass Unternehmen, in denen mindestens drei von zehn Aufsichtsratsposten von Frauen besetzt sind, wesentlich besser hinsichtlich der Eigenkapitalrendite, des Betriebsergebnisses und des Börsenwachstums abschneiden als der Branchendurchschnitt. Der Bund hat hier eine wichtige Vorreiterrolle übernommen und sein Ziel, die Frauenquote in Führungspositionen bis Ende 2018 auf 35 Prozent, in allen Unternehmen mit mehr als 50 Prozent Staatsanteil,  zu erhöhen, bereits erreicht. Als ÖAAB-Frauen setzen wir uns dafür ein, noch einen Schritt weiter zu gehen: Es sollte in Zukunft auch für Menschen in Führungspositionen die Möglichkeit geben, die Arbeitszeit zeitweise zu reduzieren, um beispielsweise Betreuungspflichten nachzukommen ? Das heißt qualifizierte Teilzeit auf Zeit muss möglich sein."


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