Voller Einsatz für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Wöginger für Bonus-Malus-Regelung für Betriebe und eine 6. Urlaubswoche nach 25 Berufsjahren, unabhängig davon, ob man seinen Arbeitsplatz gewechselt hat.


ÖAAB-Landesobmann LH-Stv. Franz Hiesl lud im Vorfeld des 1. Mai, dem "Tag der Arbeit", die Christgewerkschafter und ÖAAB-Funktionäre unter dem Motto „Schutz & Fairness für ältere Arbeitnehmer“ zu einer Betriebskonferenz ins Museum Arbeitswelt nach Steyr. Hochkarätige Experten aus der Praxis vom AMS-OÖ und GKK-OÖ sowie Vertreter aus der Politik, mit LH Pühringer an der Spitze, stellten sich vor rund 200 Besuchern der zentralen Frage, welche Herausforderungen ältere Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt haben und welche Maßnahmen die Politik für sie ergreifen kann! 


„Altersgerechte Arbeitsplätze dürfen kein Schlagwort sein“, betonte ÖAAB-General­sekretär August Wöginger. Dienstnehmer und Dienstgeber müssen gemeinsam daran arbeiten, altersgerechte Arbeitsplätze in ihren Betrieben zu schaffen. Er regt eine Umverteilung der Lebensverdienstkurve an, mit höheren Einstiegsgehältern für Jüngere und einem flacheren Gehaltsanstieg im Laufe ihres Erwerbslebens.


Da bereits fast ein Viertel aller Arbeitslosen über 50 ist, muss die Politik unbedingt Maßnahmen zum Schutz älterer Arbeitnehmer ergreifen. Für AK-Vizepräsident Helmut Feilmair ist klar: Ältere Arbeitnehmer haben es schwerer, wieder beruflich Fuß zu fassen, wenn sie ihren Job verlieren. Viele Betriebe drängen ältere Mitarbeiter auch oft gegen ihren Willen vorzeitig aus dem Unternehmen. Golden Handshakes sind keine wirkliche Lösung.

 

„Daher soll das Bonus-Malus System für Betriebe wieder eingeführt werden“, forderte Wöginger. Statt Quotenvorschriften soll es Anreize für Betriebe geben, wenn sie Älteren eine Jobchance geben oder auch Strafen, wenn sie über 50-Jährige willkürlich kündigen.

 

„Eine 6. Urlaubswoche nach 25 Berufsjahren“, ist für Wöginger ebenfalls ein Gebot der Fairness. Da der Leistungsdruck im Berufsleben unentwegt steigt und wir immer länger arbeiten müssen, fordert Wöginger für ältere Arbeitnehmer eine zusätzliche Urlaubswoche ein - und zwar unabhängig davon, ob jemand durchgängig in einem Betrieb gearbeitet oder mehrfach den Job gewechselt hat.

 

Die Experten untermauerten die Forderungen des ÖAAB-Oberösterreich mit interessanten Fakten und Daten und lieferten dazu folgende Hintergrundinformationen:


  • Der Arbeitsmarkt unterliegt einem großen Wandel.

„Bis 2030 nimmt der Anteil der über 50-Jährigen Berufstätigen allein in Oberösterreich um mehr 42.000 Personen zu. Dieser Zuwachs erfolgt fast zur Gänze von Frauen, weil das gesetzliche Pensionsalter für Frauen ab 2024 an jenes der Männer angeglichen wird. Gleichzeitig rücken aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge im weniger Jüngere in den Arbeitsmarkt nach“, prognostizierte AMS-Chefin Birgit Gerstorfer.


  • Es kommt auf die gesunden Lebensjahre an.

Gerhard Mayr, Direktor-Stv. der OÖ. Gebietskrankenkasse, wies darauf hin, dass die Lebenserwartung der Österreicher pro Jahrzehnt um drei Jahre steige und derzeit über dem EU-Durchschnitt von 81,1 Jahren liege. Die gesunden Lebensjahre würden hingegen nur 61,3 Jahre betragen. Die Krankenstandstage aufgrund psychischer Belastungen hätten sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht. Ein Viertel aller Pensionierungen sei krankheitsbedingt. Ältere Arbeitnehmer hätten mehr Krankenstandstage, zwar seien sie weniger oft krank, dafür mit längerer Dauer.


FAZIT:

Betriebe müssen künftig stärker auf ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer achten, weil der Arbeitsmarkt ausdünnt. Der Gesundheitsförderung kommt dabei ein hoher Stellenwert zu. Für den ÖAAB ist klar: „Es muss einen finanziellen Anreiz geben, für jene die länger arbeiten wollen und faire Frühpensionsmöglichkeiten für jene, die gesundheitlich eingeschränkt oder psychisch ausgelaugt sind bzw. Schwerarbeit leisten. 


http://ooe-oeaab.at/


Bild (v.l.n.r.): LH-Stv Hiesl, BRV Pöttinger, LH Pühringer, ÖAAB-GS Wöginger und AK-Vpräs. Feilmair

 

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